Lackschleifen erfolgt in vier Phasen mit definierten Körnungen: Spachtelvorschliff (P80–P120), Grundierungsschliff (P240–P400), Lack-Zwischenschliff (P400–P800 nass) und Polierschliff (P1500–P3000 nass). Profi-Werkzeuge: Exzenterschleifer mit 5 mm Hub, Mirka Abralon Foam-Pads, 3M Hookit Klett-Scheiben, Schleifvlies für Kanten. Ab P600 ausschließlich nass — Trockenschleifen verbrennt den Klarlack.

Was ist Lackschleifen — und warum ist die Körnung so wichtig?

Lackschleifen ist der präzise Materialabtrag von Lackoberflächen mit definierten Körnungen, um drei Ziele zu erreichen: Untergrundhaftung für die nächste Lackschicht, Glättung nach Lacktrocknung (Staubeinschluss, Orangenhaut, Lackläufer entfernen) und Vorbereitung für die Hochglanzpolitur. Im Karosseriebau, Möbel- und Industrielack wird Lackschleifen in vier Phasen durchgeführt — jede mit eigener Körnung, eigener Werkzeugklasse und eigener Technik.

Die richtige Körnung entscheidet über das Endergebnis: Eine zu grobe Körnung hinterlässt sichtbare Riefen, die spätere feine Körnungen nicht mehr ausgleichen können. Eine zu feine Körnung verlängert die Arbeitszeit ohne Zusatznutzen — die Politur kann das nicht kompensieren. Profis arbeiten in 50-%-Sprüngen: P80 → P120 → P180 → P240 → P400 — jede Stufe halbiert die Riefen-Tiefe der vorherigen.

Körnungstabelle Lackschliff — die 4 Phasen

Lackschleifen erfolgt in vier definierten Phasen mit jeweils eigenem Körnungsbereich und eigener Technik. Phase 1 (Spachtelvorschliff P80–P180) trocken, Phase 2 (Grundierungsschliff P320–P400) trocken, Phase 3 (Lack-Zwischenschliff P400–P800) nass, Phase 4 (Polier-Vorbereitung P1500–P3000) nass. Wer eine Phase überspringt oder Körnungen vertauscht, riskiert sichtbare Riefen unter dem Klarlack — ein Profi-Fehler, der bei der Politur teuer wird.

Lackschleifen-Körnungstabelle — Phase, Anwendung, Methode, Werkzeug
PhaseAnwendungKörnungMethodeWerkzeug
1. Spachtel-VorschliffSpachtel-EgalisierungP80–P120TrockenExzenterschleifer 8 mm Hub + Klett-Scheibe
1b. Spachtel-FeinschliffSpachtel-GlättungP180–P240TrockenExzenter 5 mm + AWAPRO P180/P240
2. GrundierungsschliffVor 2K-DecklackP320–P400Trocken / NassMirka Abranet, 3M Hookit
3. Lack-ZwischenschliffStaubeinschluss, OrangenhautP400–P800NassMirka Abralon, Schleifklotz + Wasserschlauch
4. Vor-Klarlack-SchliffKlarlack-AnschliffP800–P1500NassMirka Abralon Foam-Pad
5. Polier-VorbereitungHochglanz-VorstufeP1500–P3000Nass3M Trizact, Mirka Abralon

Phase 1 — Spachtelvorschliff (P80 – P180)

Nach dem Auftragen von Spachtelmasse auf Karosseriedellen oder Holzfehler beginnt der Spachtelvorschliff mit grober Körnung. Ziel: Materialüberschuss abtragen, Form egalisieren. Empfohlen: Exzenterschleifer mit 8 mm Hub (nicht 5 mm — der ist für Feinschliff), Klett-Schleifscheiben P80 oder P120 in 150 mm Durchmesser.

Im Karosseriebau bevorzugen Profis 3M Hookit 245 P80 oder die AWAPRO Klett-Scheibe Multihole P80 — letzteres ist gleichwertig in Standzeit, kostet aber 30 % weniger pro Stück. Großgebinde mit 100 Scheiben für Werkstattalltag empfohlen.

Anschließender Feinschliff mit P180–P240 glättet die Riefen vom Vorschliff und bereitet die Oberfläche für die Grundierung vor. Wichtig: nicht direkt von P80 auf P400 springen — die groben Riefen werden sonst durch die Grundierung sichtbar.

Phase 2 — Grundierungsschliff (P320 – P400)

Nach dem Auftragen der 2K-Grundierung wird die Oberfläche für den Decklack vorbereitet. Körnung: P320 trocken oder P400 nass. Ziel: Mattieren, Lackhaftung herstellen, ohne die Grundierung durchzuschleifen.

Werkzeug-Empfehlung: Mirka Abranet P320 auf einem Mirka DEROS 5650CV Exzenterschleifer. Das Netzdesign saugt 99 % des Schleifstaubs ab — kein Pulver in der Lackierwerkstatt, keine Staubeinschlüsse im nächsten Lackgang. Mehr im Ratgeber Mirka Abranet.

Phase 3 — Lack-Zwischenschliff (P400 – P800, nass)

Zwischen zwei Lackschichten beseitigt der Zwischenschliff Staubeinschlüsse, Orangenhaut und kleine Lackläufer. Ab P600 ausschließlich nass — Trockenschleifen erzeugt Hitze, der Klarlack verbrennt und bekommt eine matte Stelle, die nicht mehr aufpoliert werden kann.

Bevorzugtes Werkzeug: Mirka Abralon — ein flexibles Foam-Pad mit eingebundenem Schleifkorn, das sich Konturen anpasst und ohne Riefen schleift. Verfügbar in P600, P1000, P2000 und P3000. Für ebene Großflächen: Schleifklotz mit Wasserschlauch (Mirka Goldflex Soft P800 Rolle, am Klotz aufgeklebt).

Phase 4 — Polier-Vorbereitung (P1500 – P3000, nass)

Vor der Schwabbel-Politur wird der Klarlack mit P1500–P3000 nass auf maximale Glätte gebracht. Empfehlung: 3M Trizact P3000 Pad oder Mirka Abralon P3000. Die Oberfläche soll am Ende seidenmatt aussehen — alle Lackläufer sind weg, alle Mikroriefen wurden auf eine einheitliche, sehr feine Struktur reduziert. Die Politur entfernt diese letzten Spuren in 2–3 Durchgängen.

Trocken vs. Nass — wann was?

Trockenschleifen vs. Nassschleifen — Vergleich
KriteriumTrockenNass
Körnungs-RangeP40–P400P400–P3000
Hitze-RisikoHoch (verbrennt Klarlack ab P600)Wasser kühlt — keine Hitze
Staub-EntwicklungHoch (Maske + Absaugung Pflicht)Null
Schleifmittel-StandzeitStandard2–3× länger (Auswaschen)
GeschwindigkeitSchneller (kein Wasser-Handling)Langsamer
Beste AnwendungSpachtel, GrundierungKlarlack-Zwischenschliff, Polish-Vorbereitung

Mehr im Comparison-Ratgeber: Nass vs. Trocken — Wann was?

HowTo: Karosserie-Spachtel professionell schleifen

Schritt 1: Werkstück sichern + PSA

Karosserieteil auf Lackierständer oder Stativ aufspannen. Atemschutz FFP3, Schutzbrille, Werkstatt-Absaugung anschalten. Bei nassem Schleifen: rutschsichere Unterlage, Wassereimer + sauberes Tuch bereitstellen.

Schritt 2: Vorschliff P80 — Spachtel groben Materialüberschuss abtragen

Mirka DEROS 8 mm Hub, AWAPRO Klett-Scheibe P80 (oder 3M Hookit 245 P80). Mit gleichmäßigem mittlerem Druck kreisende Bewegungen, jede Bahn ca. 50 % mit der vorherigen überlappend. Spachtel ist abgetragen, sobald die Karosserieform sichtbar wird.

Schritt 3: Feinschliff P180 — Riefen aus Schritt 2 glätten

Maschine bleibt. Klett-Scheibe auf P180 wechseln (Sekunden-Wechsel). Druck deutlich reduzieren, längere Bahnen, weniger Wiederholungen. Nach 5–10 Min ist die Spachtel-Oberfläche glatt mit nur noch sehr feinen P180-Riefen.

Schritt 4: Grundierungsschliff P400 — Mirka Abranet

Nach dem 2K-Grundierungs-Spritzgang (24h Trocknung): Mirka Abranet P400 auf Mirka DEROS 5 mm Hub. Kreisende Bewegungen, mit Staubabsaugung. Oberfläche matt, gleichmäßig — keine glänzenden Stellen mehr.

Schritt 5: Lack-Zwischenschliff P800 nass

Nach dem ersten Klarlack-Spritzgang (12h Trocknung): Wasser-Wassereimer + Mirka Abralon P800 auf Schleifklotz oder direkt aufs Foam-Pad. Geringer Druck, gleichmäßige Bahnen — die Oberfläche wird matt, alle kleinen Lackeinschlüsse verschwinden.

Schritt 6: Polier-Vorbereitung P3000 nass

Nach dem zweiten Klarlack-Gang: 3M Trizact P3000 Pad nass. Sehr leichter Druck, einzelne Bahnen ohne Wiederholung. Anschließend mit fusselfreiem Tuch trocknen — Oberfläche jetzt seidenmatt und perfekt für die Schwabbel-Politur.

Werkzeuge für den Lackschliff — Profi-Setup

  • Mirka DEROS 5650CV (5 mm Hub): Standard für Lack-Zwischenschliff und Feinschliff. Bürstenlos, integrierte Absaugung, leise.
  • Mirka DEROS 8 mm: für Spachtel-Vorschliff und Materialabtrag. Höhere Aggressivität durch größeren Hub.
  • Schleifklotz (Hart + Soft): für ebene Flächen unverzichtbar. Hartklotz für gerade Linien, Soft-Klotz für leichte Rundungen.
  • Druckluft-Exzenter: Standard im großen Karosseriebau-Betrieb. Beispiel: Druckluft-Schleifer im AWAPRO-Sortiment.
  • Schleifvlies (Mirka Mirlon Total Grau): für Kanten, Konturen und Schwierigstellen. Mehr im Ratgeber Schleifvlies.
  • Wasser-Spritzflasche oder Wassereimer: für Nassschleifen ab P600.

Top-Produkte aus dem AWAPRO-Sortiment

  • 3M Hookit 245 150 mm P80 (50er-Pack): Karosseriebau-Standard für Spachtelschliff
  • Mirka Abranet 150 mm P320 (50er-Pack): Grundierungsschliff staubfrei
  • Mirka Abralon 150 mm P800 (10er-Pack): Lack-Zwischenschliff Foam-Pad
  • 3M Trizact 150 mm P3000 Pad: Polier-Vorbereitung Klarlack
  • Mirka Goldflex Soft P800 Rolle (5 m): Handschliff für Profile
  • Mirka Mirlon Total Grau Vlies-Pad: Kanten und Konturen-Anschliff

Alle Produkte mit individuelle B2B-Konditionen zu jedem Auftrag: Großkundenanfrage stellen.

Häufige Fehler — und wie Sie sie vermeiden

  • Trockenschleifen ab P600: Brandflecken im Klarlack — können nicht aufpoliert werden, nur durch Neulackierung repariert. Immer ab P600 nass arbeiten.
  • Körnungs-Sprung zu groß: P80 direkt auf P400 — die groben Riefen bleiben unter dem Lack sichtbar. Schritt-für-Schritt P80 → P120 → P180 → P240 → P400.
  • Zu viel Druck: wellige Oberflächen, „Bauchstellen". Lassen Sie die Maschine arbeiten — das Eigengewicht reicht meist.
  • Kanten-Durchschliff: Maschine zu nah an Kante — Lack durchgeschliffen, Untergrund sichtbar. Kanten immer manuell mit Klotz, nicht mit Maschine.
  • Verschmutzte Schleifscheiben weiterverwenden: Lackrückstände in der Klett-Scheibe erzeugen Hitze und ungleichmäßigen Schliff. Bei Mirka Abranet auswaschen, sonst tauschen.
  • Schleifrichtung am Ende kreuzen: sichtbare Kreuzschliff-Spuren auch nach Politur. Letzten Schliff immer in einer Richtung beenden.

FAQ — Häufige Fragen zum Lackschleifen

Welche Körnung für Lackschleifen vor dem Polieren?

Mindestens P2000, für beste Hochglanz-Ergebnisse P3000. Mirka Abralon P3000 nass ist Standard. Anschließend mit Polierpaste der entsprechenden Schnittstärke arbeiten. Direkt mit P3000 ohne vorherigen P800/P1500-Schliff geht nur bei intaktem, dünnschicht-lackiertem Original-Klarlack.

Trocken oder nass schleifen — was ist richtig?

Bis P400 trocken möglich (Spachtel- und Grundierungsschliff), ab P600 immer nass. Ausnahme: Mirka Abranet kann auch bei P600+ trocken eingesetzt werden, weil das Netzdesign nicht zustopft. Im Klarlack-Zwischenschliff trotzdem nass für 2–3× längere Standzeit.

Was tun bei durchgeschliffenen Kanten?

Nicht reparabel auf der Stelle — der Lack ist weg. Spachtel-Reparatur oder Neulackierung des betroffenen Karosseriesegments. Vermeiden: Kanten und Sicken immer manuell mit Schleifklotz schleifen, niemals mit der Maschine.

Welcher Exzenterschleifer für Lackschleifen?

Im professionellen Bereich: Mirka DEROS 5650CV (5 mm Hub, bürstenlos, integrierte Absaugung) für Feinschliff und Lack-Zwischenschliff. Für Spachtel-Vorschliff zusätzlich Mirka DEROS 8 mm oder ein Druckluft-Exzenter. Festool ETS 150/3 ist gleichwertig, im Möbel/Holz-Bereich verbreiteter.

Wie schleife ich 2K-Klarlack richtig?

2K-Klarlack ist hart und thermisch empfindlich. Zwischenschliff nass mit P800 (Mirka Abralon), Polier-Vorbereitung nass mit P2000–P3000 (3M Trizact). Trockenschleifen verbrennt den Lack — die mattgebrannten Stellen sind nicht aufpolierbar.

Wie viele Klett-Scheiben für eine Karosserietür?

Faustregel: 4× P80, 2× P180, 2× P400, 2× P800. Bei Verwendung von Mirka Abranet halbiert sich der Verbrauch — Standzeit ist 2–4× länger als Standard-Klett-Scheiben. Großgebinde mit 50/100 Stück senkt den Stückpreis um 20–30 %.

Was kostet professioneller Lackschliff-Bedarf pro Auto?

Komplette Karosserie-Lackschliff-Material-Kosten: typisch 35–60 € pro Wagen (Spachtel + Grundierung + Klarlack-Zwischenschliff + Polier-Vorbereitung). Bei AWAPRO-Großkundenkonditionen mit individuellem Angebot mit individuellen Konditionen: 30–50 €. Konditionen anfragen.